Kaiserbäder zeigen Fotografien von Günter Rössler


Kaiserbäder zeigen Fotografien von Günter Rössler

Sie haben etwas Besonderes, die Fotos von Günter Rössler. Sein Name steht synonym für Aktfotos der DDR. Man darf behaupten, dass Günter Rössler ein Star unter den DDR-Fotografen war; seine Aktbilder im „Magazin“ waren sehr bekannt und heißbegehrt.

Doch was ist nun das Besondere an seinen Fotos? Das meisterhafte Spiel des Fotografen mit Licht und Schatten, das aus dem Dunkel wie zufällig die helle Haut seiner Protagonistinnen auftauchen lässt, scheint ein wenig das Geheimnis des ewig Weiblichen zu lüften. Rösslers Frauen haben Gesichter, die Klugheit und Willen ausstrahlen. Nackt und emanzipiert, so sollten die Frauen sein, die der Leipziger porträtierte: Rösslers Ideal war geprägt von absoluter Natürlichkeit. Er fotografierte die Körper junger Frauen, ihre Gesichter, ihren Blick. Den Begriff „Models“ mochte Rössler nicht; er sprach immer von „Mädchen“: „Models sind unpersönlich. Sie verkörpern ein Produkt, an dem man beliebig rumzerren kann“, meinte er. Ihm ging es in seiner Fotografie um die Atmosphäre, „damit letztendlich die Persönlichkeit der Frau zum Vorschein kommt“. „In ihrer Nacktheit wirken die Mädchen nie verletzlich. Es sind starke Frauen, die mit ebenso lässigen wie natürlichen Gesten ihre Erotik als Aspekt ihrer Persönlichkeit zur Schau stellen, die in ihrer Selbstverständlichkeit gezeigt werden“, so Rössler. Es war natürlich so ein bisschen verbotene Ware […] und hat den Reiz des Verbotenen ausgemacht oder des Nicht-Gängigen. Und dann haben mich seine Bilder schon damals wirklich berührt, weil sie Frauen nicht obszön zeigen sondern in ’ner Art und Weise die immer Raum für Respekt lassen, so Freund und Filmemacher Fred R. Willitzkat.

Das Handwerk der Fotografie lernte Günter Rössler schon in jungen Jahren. Nach der Kriegsgefangenschaft bei den Amerikanern war er zunächst in einem Fotolabor tätig. Dann studierte er an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Seit 1951 arbeitete er als freischaffender Mode- und Werbefotograf; von 1954 bis 1990 überwiegend für DDR-Modemagazine wie „Modische Maschen“ und „Sibylle“ sowie die Monatszeitschrift „Das Magazin“ und in Fotozeitschriften wie „Fotografie“ und „Fotokino-Magazin“. Neben Günter Rinnhofer war er einer der wenigen Fotografen, die jahrzehntelang fast jeden Monat in Zeitschriften publizierten.
Ab den 1960er-Jahren widmete er sich verstärkt der Akt-Fotografie. Rössler war 1979 der erste DDR-Fotograf mit einer Personalausstellung (in Grimma) und gehörte zu den Mitinitiatoren der berühmten „Akt-Pleinairs“ in Höfgen bei Grimma.

Seine erste Aktausstellung – 1979 im Kunsthaus Grimma – erregte in der DDR Aufsehen. Auch seine folgenden Ausstellungen waren Publikumsmagneten. Da seine Fotos als „nicht anstößig“ galten, wurden die Ausstellungen auch von Schulklassen besucht. Schlichtheit und Abstraktion auf Schwarz-Weiß lassen seine Fotos fast skulpturhaft erscheinen; die große Natürlichkeit seiner Modelle gehörte zum Konzept seiner Aktfotografie. Rössler führte er den Akt als ernsthafte und eigenständige Kunstform in die öffentliche Diskussion ein. Seine Fotografien zeugen von großem Respekt und Vertrauen zwischen Fotograf und Modell. Mit seinen Arbeiten hat er spannende Zeitdokumente und einzigartige Kunstwerke geschaffen.

Im Rahmen der stattfindenden Ausstellung „Mode- und Aktfotografie aus fünf Jahrzehnten“ werden etwa 30 Klassiker aus den Bereichen Mode und Akt gezeigt, dazu gibt es begleitend einen 90- minütigen Dokumentarfilm „Günter Rössler – Die Genialität des Augenblicks“ von Fred R. Willitzkat. Der Film würdigt die schöpferische Arbeit Rösslers, er zeigt ihn als stillen, bescheidenen Menschen, der es geschafft hat, sich ein Leben lang treu zu bleiben. Günter Rössler (1926 – 2012), einer der bedeutendsten Fotografen Deutschlands, prägte die Geschichte der deutschen Fotografie ab der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wesentlich. Als solchen möchte ihn die Ausstellung im Museum Villa „Irmgard“ in Seebad Heringsdorf würdigen. Die Eröffnung findet am 4.3.2017 um 19.30 Uhr statt. Umrahmt wird diese Veranstaltung von Frau Dr. Karin Lehmann als Rednerin, Herrn Dr. Fred R. Willitzkat (Filmemacher und Freund G. Rössler) und Johann Putensen /Saxophon, Klavier), der für die musikalische Gestaltung verantwortlich zeichnet. Besuchen Sie diese sehr besondere und vielversprechende Ausstellung und lassen Sie sich mitnehmen in die eindrucksvolle und wunderbare Welt des Günter Rössler.

MEISTERWERKE, MODE UND AKTFOTOGRAFIE AUS FÜNF JAHRZEHNTEN – GÜNTER RÖSSLER

VOM 04. MÄRZ BIS 17. APRIL 2017
IM MUSEUM „VILLA IRMGARD“ WÄHREND DER ÖFFNUNGSZEITEN
VON DIENSTAG BIS SONNTAG, 12.00 BIS 16.00 UHR

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