Es schmiegt sich ein Kirchlein an den Waldessaum


Es schmiegt sich ein Kirchlein an den Waldessaum

Das Kleinste der drei Kaiserbäder, das Seebad Bansin, ist zwar seinen beiden Schwestern Heringsdorf und Ahlbeck größentechnisch unterlegen, aber zu bieten hat es nicht weniger. Vieles ist eben ein wenig kleiner, wie zum Beispiel die Kirche. Während Heringsdorf und Ahlbeck Gotteshäuser in stattlicher Größe vorweisen können, schmiegt sich in Bansin, ganz am westlichen Waldrand ein Kirchlein an den Waldessaum; daher kommt auch der Name – Waldkirche.

Während die meisten der Kirchen auf der Insel Usedom auf eine durchaus bemerkenswerte Geschichte zurückblicken dürfen, ist die Bansiner Kirche die jüngste der evangelischen Kirchen im Bunde, denn sie wurde erst am 12. Februar 1939 eröffnet. Zu verdanken ist ihr Bau wohl der aufstrebenden Entwicklung des Bädertourismus mit den sich daraus ergebenden Bedürfnissen. Die Kirchengemeinde Bansin, die sich damals aus dem Seebad und dem Dorf Bansin zusammenschloss, gab es jedenfalls schon seit 1927, wurde allerdings unter dem Kirchspiel Benz betreut.

Nachdem der Grundstein 1938 gelegt wurde, begann der Bau der Kirche, der sich am Vorbild der Swinemünder Kreuzkirche orientierte. Letztere war die Heimstatt einer kleinen Gemeinde, die zu der sog. Evangelisch-Lutherische Kirche Altpreußens gehörte. Diese vom Staat unabhängige Freikirche hatte sich vor gut 200 Jahren in Preußen gebildet, weil ihre Glieder die von König Friedrich Wilhelm III. geforderte vereinte Landeskirche nicht mittragen wollten. Sie hielten es aus Gewissensgründen für ausgeschlossen, lutherisches und calvinistisch-reformiertes Bekenntnis miteinander zu verbinden. Als der Swinemünder Kaufmann Karl Lange der Gemeinde ein Grundstück schenkte, wurde von dessen Erlös ein Gelände auf der Anhöhe in der Gadebuschstraße, nahe der Friedenstraße, erworben. Dort wurde 1934 mit der Initiative von Pastor Gerhard Stief, der seit 1926 der Seelsorger war, diese schöne Kreuzkirche errichtet – ein Klinkerbau mit 250 Sitzplätzen und einer wertvollen Orgel. Architekt dieses Baus war der junge Berliner Architekt Richard Oertwig. Das Haus überstand zwar unbeschadet den Luftangriff auf Swinemünde, wurde aber leider nach 1945 nicht mehr genutzt und verfiel, bis es 1958 abgerissen wurde; einige wenige Reststücke sind noch auf der Anhöhe zu sehen. So sind also die nicht mehr existente Kreuzkirche und die Waldkirche architektonische Schwestern.

Die Bansiner Kirche besteht aus einem schlicht gehaltenen Saalbau mit einem ziegelgedeckten Schiff, sowie einem hohen, schlanken Turm. Sie ist nach Süden und nicht wie allgemein üblich nach Osten ausgerichtet.

Sehenswert sind die schmalen, hohen Buntglasfenster mit Motiven von den Evangelisten und Martin Luther sowie das geschnitzte Altarkreuz von Alexander Neumann. Im Inneren ist sie mit dunklen Holzbänken und einer Orgelempore ausgestattet; die Orgel wurde von der Firma Sauer/Walcker in Frankfurt/Oder gebaut.

Unter der Empore befindet sich eine Winterkirche, in der ein interessant gestaltetes Holz-Triptychon vom ehemaligen Pfarrer Alexander Neumann, der von 1975-1995 die Bansiner Pfarrstelle inne hatte, platziert ist.

Die Kirche erfreut sich großer Beliebtheit und ist fest eingebunden als Aufführungsort für Sommermusiken und natürlich das geistliche Zentrum der Bansiner neben dem Pfarrhaus. Also, einfach  mal vorbeischauen und das wunderbare Farbenspiel der sonnendurchfluteten Buntglasfenster genießen und, spüren Sie es auch? Genau, nun durchatmen und wieder ganz neu erleben – herzlich willkommen.

Foto www.kirche-auf-usedom.de

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