Donna Leon, Martin Walser, Alfred Grosser – die 9. Usedomer Literaturtage auf der Suche nach Identität


Donna Leon, Martin Walser, Alfred Grosser – die 9. Usedomer Literaturtage auf der Suche nach Identität

Auf der Suche nach seiner eigenen Identität ist der Mensch schon seit Jahrhunderten unterwegs. Viele Künstler, Literaten und Wissenschaftler versuchten und versuchen diesem spannenden Thema eine Dimension zu geben und vermitteln damit Impulse, sich immer wieder damit zu beschäftigen. Und gerade in Zeiten weltweiter Umbrüche und Vernetzungen eröffnet sich dazu ein ganzes Universum spannender Geschichten. Hier bei uns zu den 9 Usedomer Literaturtagen, die vom 26.4. bis zum  29.4. 2017 unter der Überschrift „Identität-dringend gesucht“ stattfinden.

Wir dürfen auf einen grandiosen Beginn mit Martin Walsers neuestem Werk „Statt etwas oder Der letzte Rank“ hoffen. Nach dem Grimmschen Wörterbuch ist das Wort „Rank“ schweizerischen Ursprungs und bedeutet „Wendung, die der Verfolgte nimmt, um dem Verfolger zu entgehen“.

Dieser Roman übertrifft jede Erwartung und tatsächlich geht es im neuen Buch mit jedem Satz ums Ganze – von größter Intensität und Kraft der Empfindung, unvorhersehbar und schön. Ein Musikstück aus Worten, das dem Leser größtmögliche Freiheit bietet, weil es von Freiheit getragen ist: der Freiheit des Denkens, des Schreibens, des Lebens. So nah am Rand der Formlosigkeit, ja so entfesselt hat Martin Walser noch nie geschrieben. Manfred Osten moderiert diese Lesung und zeichnet das imposante, vielfältig schillernde Porträt eines Menschen in seinen Verhältnissen zur Welt und damit auch zur eigenen Identität.

Vom Einzelschicksal weitet Alfred Grosser den Blick auf die politische Dimension. Wunderbar schon im Titel seines aktuellen Buches auf den europäischen Punkt gebracht: „Le Mensch“. Alfred Grosser, der wie kein anderer sowohl mit der deutschen wie auch mit der französischen Identität tief vertraut ist, geht in seinem neuen Buch „Le Mensch“ der Thematik in einem weit gefassten Rahmen auf den Grund. Er tut dies, indem er sich rückhaltlos einlässt auf all jene identitätsstiftenden und -begründenden Merkmale des Menschen – von der Herkunft, über die Sprache bis zur Sexualität. Vor diesem Hintergrund führt das Gespräch mit Manfred Osten zur Relevanz von Identität in einer Zeit, die unter anderem zunehmend bestimmt wird von großen Herausforderungen weltweiter Migrationsbewegungen. Und in der sich die Frage stellt, ob im Zeichen der Globalisierung mit der Erosion staatlicher Souveränität nicht auch ein schleichender Erosionsprozess alter Identitätsvorstellungen begonnen hat. Die anschließende Podiumsdiskussion mit der deutschen Generalkonsulin in Danzig, Cornelia Pieper und Dirk Schümer, dem Europa-Korrespondenten der Zeitung „Die Welt“ nimmt die europäische Dimension von Identität in den Blick

Die so beliebte Donna Leon spürt der Identität in ihrem Kriminalroman „Ewige Jugend“ und in der exklusiven Gesprächsrunde „Wer ist Donna?“ mit Moderator Manfred Osten nach. Donna Leon liebt Venedig und den deutschen Komponisten Georg Friedrich Händel. Sie hasst Handys und bezeichnet sich selbst als „Öko-Taliban“. Der Barockmusik ist sie hoffnungsvoll verfallen. Aufgewachsen an den Stränden des Atlantiks, wo der Blick in Richtung Horizont das Fernweh weckte, arbeitete sie später als Reiseleiterin, Werbetexterin, Lehrerin und Dozentin im Iran, in Italien, der Schweiz, China und Saudi-Arabien. Weltweiten Ruhm erlangte die Autorin durch ihre Brunetti-Romane. Heute ist sie ein globaler Star und zieht es doch vor, lieber keine Berühmtheit zu sein.

Und was könnte es Schöneres geben, als die Verbindung von geistiger und landschaftlicher Schönheit bei den Usedomer Literaturtagen…“?

Die diesjährige Preisverleihung verbunden mit einem Sonderkonzert des Usedomer Musikfestivals!

Diesen erhält Joanna Bator – Kosmopolitin, Weltenbummlerin und Erfinderin unerzählter Geschichten für ihr Lebenswerk. Mit ihren international vielbeachteten Werken, insbesondere auch ihrem letzten Roman „Dunkel, fast Nacht“ (2012, auf deutsch 2016), zählt sie zu den wichtigsten literarischen Stimmen unseres Nachbarlandes. Sie ist Meisterin der literarischen Archäologie, in dem sie auf feine Art und Weise historische Schichten freizulegen versteht, etwa anhand der Topographie Schlesiens. Gleichzeitig ist sie eine glänzende Beobachterin sozialer Beziehungen und zeigt die Vielschichtigkeit einer fragilen Gesellschaft. Joanna Bator zeigt die Ohnmacht einer modernen Gesellschaft, die in einer größer werdenden Sprachlosigkeit mündet zwischen Verlierern und Gewinnern, zwischen Provinz und Großstadt. Gleichzeitig wird in ihren subtilen Gesellschaftsanalysen sichtbar, wie Populismus und verbale Brandstiftung zu physischer Gewalt führen können. Schonungslos beschreibt sie, wie schnell Gerüchte und Vorurteile in blanken Hass umschlagen können. Joanna Bators Themen sind auf verstörende Weise zeitlos und damit eine wichtiges Plädoyer für Wachsamkeit, Courage und Toleranz. So würdigen die hochkarätige Jury und der künstlerische Beirat der Usedomer Literaturtage auch 2017 eine Autorin, die sich im besonderen Maße um den Europäischen Dialog verdient gemacht hat. Die Auszeichnung wird von den SEETELHOTELS und den Usedomer Literaturtagen gestiftet und ist mit 5.000,00 Euro sowie einem einmonatigen Arbeitsaufenthalt im SEETELHOTEL Ahlbecker Hof inkl. Verpflegung auf der Insel Usedom dotiert.

Weitere Infos und Tickets unter www.usedomer-literaturtage.de

Usedomer Literaturtage

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