Wie gewaltig und beeindruckend die Natur ist – Usedom im Herbst


Wie gewaltig und beeindruckend die Natur ist – Usedom im Herbst

Wenn Herbst auf Usedom wird, hat es ein Sommerkind von der Insel nicht so leicht. Es sei denn, es stürmt und treibt den Sand vor sich her, dass du die Augen zusammenkneifen musst, damit nichts hinein kommt. Und wenn Du dort stehst, am tosenden Meer, das mit Löwengebrüll seine Wellen losschickt, um dich am Strand zumindest an den Füßen zu erwischen, dann wird dir klar, wie schön auch Herbst sein kann. Wie gewaltig und beeindruckend die Natur ist – ungezähmt und wild, stürmisch und frei.
Im Sturm wird das Atmen schwer und der Kopf senkt sich; du kannst keine anderen Geräusche mehr hören, so laut ist es. Vergänglich, unbändig und klangvoll wie er ist, inspirierte der Wind zu großen künstlerischen Werken. Shakespeare nannte eine seiner bis heute populärsten Tragödien „The Tempest“ – Der Sturm. Doch Shakespeare wäre nicht Shakespeare, wüsste er nicht auch um die erfrischende, belebende Wirkung eines Luftzuges:

„Der Wind, der durch die Welt die Jugend treibt, // Sich Glück wo anders, als daheim, zu suchen, // Wo uns Erfahrung spärlich reift.“ William Shakespeare in „Der Widerspenstigen Zähmung“ (The Taming of the Shrew).

So wie Shakespeare im Titel sehr richtig erkennt, sind wir den Naturgewalten kaum gewachsen, wir beugen uns ihnen und – nicht nur in metaphorischem Sinne – treibt er uns im Leben immer weiter, deshalb ist er auch wichtig. Hier auf Usedom, kannst du ewig am Strand gehen und triffst bei solchen Witterungen niemanden. Der Sommer scheint lange her und der nächste unvorstellbar weit weg.
Das immer in Bewegung zu scheinende Meer, mit seiner unendlichen Geduld, jeden Tag dasselbe zu tun könnte uns Vorbild sein – Beständigkeit. Das wünschst du dir manchmal, wenn der Alltag mit seinen Forderungen, Terminen und Pflichten kaum atmen läßt. Der Wunsch, seine Aufgaben gut zu erfüllen, sich aber nicht nach Jahren der Arbeit verloren zu haben. Dann musst du nur zum Meer und es spüren, dich synchronisieren mit seinem Rhythmus und atmen, einfach immer weiter atmen und eins werden. Und weißt du was – es funktioniert!
An den Stränden reinkarnieren, neue Kraft tanken und innerlich gestärkt sich den Winden des Alltags stellen, das ist plötzlich wieder leicht und wenn dein Spiegelbild dich abends anlächelt, dann weißt du – alles richtig gemacht.
Erinnere dich – hier und jetzt ist das was zählt. Den Blick behalten fürs Wesentliche und den Schritt verlangsamen, wenn du Luft holen musst. Schönheit wahrnehmen und ganz tief innen speichern, damit sie immer wieder neu erlebbar rekapituliert werden kann. Das Herz weit werden lassen und eins fühlen mit Meer, Zeit und Raum. Die Weite spüren, wenn der Blick den Horizont über dem Wasser gefunden hat und erleben, wie gut mir das tut, denn das Meer ist ein Therapeut. Usedom im Herbst.

Foto: Claudia Pautz

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