Von Seemannsgarn, Heringspuhlen und Traditionshandwerk - Die Fischer von Usedom
Fischer © Isabell Stahnke
Fischerboot in der Ostsee bei Sonnenuntergang | KaiserbÀder Usedom

„Fischerei, das ist wohl richtig, ist auf Usedom sehr wichtig, denn es gibt sie lange schon, uns’re Fischertradition. Jahrhunderte ist es nun her, als die KĂ€hne, stolz und schwer, fuhren auf das Meer hinaus, brachten guten Fang nach Haus. Jeder Fischer, das war klar, musste dort, wo er grad war, jedem Wetter halten stand, auf dass er bringt den Fang an Land. Der Brotfisch – Hering, war ja klar, schmeckte allen wunderbar, leider gab’s zu wenig Geld, so wurd‘ der Fang fast eingestellt. Im Supermarkt, im KĂŒhlregal, schmeckt er heut
naja, egal, Fischer sein mag keiner mehr, denn die Arbeit ist zu schwer. Und die Moral, ihr ahnt sie schon – alles was beleibt ist – Tradition“ (*)

Standen Sie schon einmal am Strand der KaiserbÀder, haben dem ewigen Lied des Meeres gelauscht und ein Fischerboot auf dem Wasser erblickt? Weit entfernt am Horizont, echter Handarbeit nachgehend. Es gibt sie noch, die Fischer. Wenngleich aus einem Hauptberuf ein TraditionsgeschÀft geworden ist.

Schon der Name der Gemeinde und des gleichnamigen Ortsteils Heringsdorf geht auf die Tradition der Fischerei zurĂŒck. Eine Legende besagt:  Im Jahr 1820 beobachtete der Kronprinz und spĂ€tere König Friedrich Wilhelm IV. mit seinem Vater, Preußenkönig Friedrich Wilhelm III., Fischer beim Heringe puhlen und salzen am Strand der kleinen Siedlung unterhalb des Kulms. Dieser Moment in der Geschichte gilt als die Geburtsstunde des Ortes.

Zeitgleich wurde ebenso der Berufstand des Fischers erhoben, die Heringssalzerei selbst existierte bis in die 1890er Jahre. Der RĂŒckgang des Bestandes, die EinfĂŒhrung der RĂ€ucherei, Überfischung und Fischimporte sorgten letztendlich fĂŒr die EindĂ€mmung des Berufsstandes. Immerhin soll es im Jahr 1932 noch 7.305 Berufsfischer in Pommern gegeben haben. Um die Versorgung der Bevölkerung wĂ€hrend der Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg zu sichern, wurde zur damaligen Zeit die Fischerei durch den sowjetischen Befehl Nr. 11 die Fischerei in besonderem Maße gefördert. Der damalige Kreis Wolgast zĂ€hlte hierdurch schnell zu den grĂ¶ĂŸten Fischereikreisen der Deutschen Demokratischen Republik.

Kurz vor der Wende 1989 waren 65 Fischer in den KaiserbĂ€dern Ahlbeck · Heringsdorf · Bansin tĂ€tig, die zusammen einen Ertrag von 1.200 Tonnen Fisch im Jahr erwirtschaften. Aufgrund besserer Fangmethoden wurden die Fangzahlen in der Ostsee erhöht, wenngleich der Staat die Fangquote reglementierte. Letztendlich wurde viel gefischt, aber schlecht bezahlt. Nach der Wende kamen einige Änderungen auf die Fischerei zu, nicht zuletzt wurde fortan die Fangquote nach der GrĂ¶ĂŸe des Bootes bemessen, sie richtete sich nun nicht mehr nach dem Fischer selbst. Von Jahr zu Jahr wurde der Fang von Hering, Dorsch und Zander zunehmend reglementiert und abwĂ€rts korrigiert.

Heute kann man die Berufsfischer mit einem Finger abzĂ€hlen, Nachwuchs gibt es aufgrund fehlender staatlicher UnterstĂŒtzung keinen.

Es ist körperliche anstrengende Arbeit, die die Familie nicht mehr ernĂ€hrt. Und wenngleich die Einheimischen wie die GĂ€ste das Flair der urigen Fischerbuden und den Geschmack des Fischbrötchens lieben und schĂ€tzen, so bleibt doch nur noch die Tradition der Fischerei – der Beruf des Fischers ist verschwunden.  Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die letzten verbliebenen Fischer um ihre Leidenschaft, Berufung und Tradition sorgen.

* aus der BroschĂŒre: “Die Fischer von Usedom”, ein Projekt der Auszubildenden 2019 (Anna Straka, Jessica MĂŒller, Luisa Aßmann) des Eigenbetrieb KaiserbĂ€der Insel Usedom