Gesichter der Kaiserbäder – die Brüder Schwarz in Heringsdorf


Gesichter der Kaiserbäder – die Brüder Schwarz in Heringsdorf

Dienstag, 11 Uhr. Ich bin mit den Brüdern Schwarz am Fischerstrand in Heringsdorf verabredet. Naja, zumindest mit einem von ihnen. Denn einer wusste, dass ich komme. Und dass es dabei wohl auch geblieben war, bemerke ich spätestens nach dem Öffnen der Tür zu ihrer Fischbrötchenbude. Fragezeichen und ein wunderbar pommersches “Joar, wenn er dat einjefädelt hat, denn soll er dat man och machen. Ich weiß von nüscht.” Das geht ja gut los, denke ich gerade, als zwei silberne Autos vorfahren und direkt in den Dünen hinter der Hütte parken. Scheinbar so wie sie es immer tun. Da sind sie also, die Brüder Schwarz.

Brüder Schwarz in Heringsdorf

Irgendwo zwischen dem Duft von frisch geräuchertem Fisch und der unnachahmlichen Art, ihren Gästen zu begegnen, liegt der Alltag dreier Brüder, die die Tradition der Strandfischerei auf ihre ganz eigene Art am Leben erhalten. Sie kommen aus einer Fischerfamilie, die damals, 45, aus dem kleinen Fischerdorf Nest bei Kolberg fliehen musste und dann in Stubbenfelde auf Usedom ein neues Zuhause fand. “Die Großmutter mit den Kindern. Der Großvater war in Gefangenschaft.” Und während einer der Brüder die alte Geschichte erzählt, hat ein anderer schon eine Karte zur Hand und zeigt mit dem Finger auf den Ort im heutigen Polen. “68 ist die Familie dann nach Heringsdorf gezogen. Wir waren echte Strandfischer. Haben uns zwei Boote bauen lassen. Eins in Lassan und eins in Ückeritz. Das Holz dafür haben wir noch selbst ausgesucht.” Das Fischen haben sie mittlerweile aufgegeben. Das eine Boot verkauft, das andere hat seinen Alterssitz unter einer dicken Plane gleich neben der Hütte. Es lohnt sich nicht mehr, sagen sie. Heute kaufen sie den Fisch ein und räuchern ihn selbst. Jeden Tag und auf traditionelle Art über Buchen- und Erlenrauch. Eine ihrer Spezialitäten ist kaltgeräucherter Lachs. “Den gibt es nur im Winter. Er hängt sieben Tage lang im Rauch.”

Brüder Schwarz in Heringsdorf

Was so besonders an ihren Fischbrötchen ist, will ich wissen. “Wir backen unsere Brötchen den ganzen Tag immer wieder frisch. Da kommt der Fisch rein. Ohne Salat und Remoulade und sowas. Es geht um den Fisch, den soll man schmecken. Zwiebeln sind in Ordnung.” Und dass das scheinbar ein Erfolgsrezept ist, lese ich im Gästebuch, das Brüder mir stolz präsentieren. Der erste Eintrag ist von 2007. Zwei Frauen, die mit dem Fahrrad nach Usedom gefahren sind. Man stelle sich das mal vor.

Brüder Schwarz in Heringsdorf

Mit einem Matjesbrötchen versorgt und den Geschichten der drei lauschend, stehe ich in der Herbstsonne in den Dünen von Heringsdorf. Es ist wunderbar und mir scheint, dass die Kombination aus maritimer Kulinarik und pommerschem Charme jeden Abstecher hierher so besonders macht. Und dass der Fisch kurz nach dem Mittag schon ausverkauft ist, hat einen ganz einfachen Grund: “Wir räuchern nur soviel, dass wir jeden Tag wieder frisch geräucherten Fisch anbieten können. Dann können unsere Gäste ihn getrost einpacken und mitnehmen. Der hält sich bestimmt noch ein paar Tage.”

Brüder Schwarz in Heringsdorf

Nur diese Woche noch werden sie ihren Fisch verkaufen. Dann ist bis Silvester Pause. Die Februarferien wieder. Und dann eine neue lange Saison.

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