Einst stand eine Bismarckwarte auf dem Präsidentenberg


Einst stand eine Bismarckwarte auf dem Präsidentenberg

Die Erhebung direkt hinter dem Bahnhof in Heringsdorf, dort wo sich heute der Kur- und Heilwald mit seinen uralten Buchen erstreckt, nannte man früher “Präsidentenberg”. Kurz nach der Jahrhundertwende (1903) hatte der damalige Kurdirektor das Seebades Heringsdorf Hermann Hans Valentin von Bismarck die Idee, genau hier eine Bismarck-Feuersäule nach dem Vorbild des Bismarckturms in Porta Westfalica erbauen zu lassen. Und auch wenn der Name des Kurdirektors anderes erahnen lassen könnte, war die Bismarckwarte hier genau wie anderenorts ein Denkmal zu Ehren des Gründers des Deutschen Reiches Otto von Bismarck.
Hermann Hans Valentin von Bismarck veranstaltete in den kommenden Jahren mehrere Spendenfeste, um Werbung und Baukosten des Turmes zu finanzieren. 1904 beschloss der Bauausschuss des Ortes die Gründung des Vereins “Bismarck-Warte Seebad Heringsdorf e.V.”. Die Aktiengesellschaft Seebad Heringsdorf überließ dem Verein das Baugrundstück kostenlos. Im September 1905 wurde der Grundstein gelegt. Neben dem Turm, der 42m in die Höhe ragte, wurde eine Gedenkhalle und eine Plattform für bis zu 60 Besucher gebaut. 1906 wurde der Turm fertiggestellt und 1907 eingeweiht. Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich auf etwa 50.000 Mark. Der Eintritt kostete 30 Pfennige.

“Der 42 m hohe Aussichtsturm mit Befeuerungsvorrichtung wurde auf einer rechteckig angelegten Terrassenanlage aus rohen Findlingssteinen errichtet. Die Bismarck-Warte wies einen quadratischen Querschnitt aus Findlingsmauerwerk mit einer in Backstein-Architektur durchgebildeten Krönung auf. Der Sockel des Turmes wies auf allen vier Seiten hervorspringende giebelartige Risaliten auf, die den Rundbogen-Eingang auf der Eingangsseite und die rundbogenartig gestalteten Fensteröffnungen der Eingangshalle auf den anderen drei Seiten umfassten. Über eine vorgelagerte, beidseitig eingefasste Freitreppe mit neunzehn Stufen war das Rundbogenportal des Eingangsbereichs erreichbar. Oberhalb des zweiflügigen Eingangsportals war das Bismarck-Wappen, darüber (Endbereich des Findlingsmauerwerks) die Inschrift „UNSEREM BISMARCK“ angebracht. Durch das Portal gelangte man in die große Bismarck-Gedenkhalle, die mit Bismarck-Bildern von Franz von Lenbach geschmückt war. Die Rundbogenfenster der Halle waren aus buntem Kunstglas hergestellt und mit dem Wappen Bismarcks versehen. Die Täfelung der Halle und die Möbel waren aus dem Holz einer 150 Jahre alten Kiefer hergestellt worden, die vorher auf dem Baugrundstück gestanden hatte. Über eine Kunststeintreppe (keine Wendeltreppe) gelangte man zum unteren Umgang oberhalb der Bismarck-Gedenkhalle. Von hier aus führte eine Kunststeintreppe mit in kurzen Abständen installierten breiten Treppenpodesten, jeweils mit Ruhebänken, auf die obere Plattform, die 60 Besucher fassen konnte. Die Gesamtstufenzahl bis zur oberen zinnenbekrönten Plattform betrug 212 Stufen. Von dort aus war über eine eiserne Treppe mit 13 Stufen der Aufstieg zur Feuerschale möglich. Diese runde Feuerschale mit einem Durchmesser von 3 m war von Architekt H. Hutze aus Porta Westfalica aus Zementbeton (Kies, Portlandzement und Asbest im Verhältnis 3:1:2) entwickelt und bereits in gleicher Art für den Bismarckturm Porta Westfalica verwandt worden. Die 150 Mark teure Feuerschale ruhte auf mehreren Betonklötzen und wies an den Seiten Löcher zum Ablauf von Regen-wasser auf. Die äußeren Flächen waren mit einer Mischung von Zement und Asbest (Verhältnis 1:2) verputzt worden. ” (Quelle: bismarcktuerme.de)

1946 wurde die Bismarckwarte durch die Sowjet-Armee gesprengt. Noch bis heute sind ihre Überreste in Wald zu finden.

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