Spuren der Geschichte (6) – Georg von Bülow, und was er mit Loriot zu tun hat


Spuren der Geschichte (6) – Georg von Bülow, und was er mit Loriot zu tun hat

Träumte nicht jeder als Kind davon, Ritter oder Prinzessin zu sein? Hoch zu Ross mit einer Lanze in den Zweikampf zu reiten oder in einem Ballkleid durch einen prunkvollen Saal gewirbelt zu werden? Georg Bernhard von Bülow (1768 – 1854) lebte in einer Zeit, als Ritter und Prinzessin Alltag waren, als man in Burgen und Schlössern noch residierte und hierzulande noch ein König auf dem Thron saß.

Gerade einmal Hundert Jahre ist es her, da hieß Deutschland noch Preußen und hatte mit Wilhelm II. (1859 – 1941) einen Kaiser und König. Noch einmal Hundert Jahre zuvor, existierte noch das Heilige Römische Reich – ein Abschnitt der Historie, in dem Georg Bernhard von Bülow, Sohn eines mecklenburgischen Uradelsgeschlechts, aufgewachsen ist.

In den Jahren 1787 bis 1817 befand er sich im Staatsdienst des damaligen preußischen Königs, Friedrich Wilhelm II. (1744 – 1797), zuerst als Jagdjunker, später als Forst- dann als Oberforstmeister. Nach seiner ehrenhaften Entlassung aus diesem, erwarb er zusammen mit seinem Bruder, Ernst von Bülow-Cummerow (1775 – 1851), das Rittergut Gothen mit den Ortschaften, Bauerndörfern und Fischerkolonien Ahlbeck, Neukrug und Neuhof – das heutige Gros der Gemeinde Heringsdorf – für 45.000 Silbertaler.

Durch Abholzung und Verkauf des Holzbestandes erfolgte nicht nur die Finanzierung des Gutes in Gothen, sondern durch die Parzellierung und Veräußerung der Grundstücke an Aristokratie und Adel entstanden die heute repräsentativen und typischen Bädervillen der Kaiserbäder Ahlbeck · Heringsdorf · Bansin. Doch es entstanden nicht nur Herrenhäuser und Sommerresidenzen für die Reichen und Schönen, sondern ebenso Gästequartiere wie das „Weiße Schloss“ auf dem Kulm oder die „Villa Achterkerke“, die Bülow für die Unterbringung von Künstlern und Literaten errichten ließ.

Und haben Sie schon einmal von Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow (1923 – 2011), einem berühmten Nachfahren von Georg Bernhard von Bülow, gehört? Etwa nicht? Doch bestimmt.

Der berühmte Loriot, der seinen Künstlernamen nach dem französischen Wort für Pirol, dem Wappentier der Familie Bülow, wählte, galt als einer der vielseitigsten Karikaturisten, Humoristen und Schauspieler im deutschen Film und Fernsehen. Mit seinem Film „Pappa ante portas“ aus dem Jahr 1991 setzte er die Seebrücke Ahlbeck in Szene, die für ihren Auftritt weiß gestrichen wurde. Mit diesem Film kehrte er auch auf den ehemaligen Besitz seiner Vorfahren und zu den Wurzeln seiner Familiengeschichte zurück.

Seit 1890 und bis heute gehört Gothen wie Ahlbeck · Heringsdorf · Bansin als Ortsteil zur Gemeinde Heringsdorf.

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