Spuren der Geschichte (8) – Familie Oppenheim und ihre Villen


Spuren der Geschichte (8) – Familie Oppenheim und ihre Villen

Die Villa Oppenheim in Heringsdorf – einst als Sommervilla für die gleichnamige Familie errichtet, heute eines der bekanntesten Beispiele der Bäderarchitektur.

Schon in jungen Jahren trat Benoit Oppenheim (1842 – 1931) in die Fußstapfen seines Vaters, Großvaters sowie Urgroßvaters. Bereits die Generationen zuvor waren im Bankgeschäft tätig, galten als vermögend und einflussreich.

Martin Wilhelm Oppenheim (1781 – 1863), Benoits Großvater, geboren und aufgewachsen im damaligen Königsberg, zog nicht wie üblich für die Schönen und Reichen nach Berlin in die damalige preußische Hauptstadt (1701 – 1806) und spätere reformierte Magistratsstadt Berlin (1808 – 1918), sondern nach Dresden, wo er den renommierten Architekten und Baumeister Gottfried Semper (1803 – 1879) beauftragte, sowohl eine Sommervilla „Villa Rosa“ (1839 erbaut, 1945 ausgebrannt) als auch eine Winterresidenz „Palais Oppenheim“ (1848 erbaut, 1945 ausgebrannt) für ihn zu erbauen.

Rudolph Oppenheim (1811 – 1871), Benoits Vater, ebenfalls im damaligen Königsberg geboren und aufgewachsen, studierte erst Architektur in Berlin, bevor er sich dazu entschied in das Familienunternehmen einzusteigen. Wenngleich er nicht mehr in Königsberg ansässig war, rief ihn das Königreich Belgien 1840 zum Konsul in der ostpreußischen Hauptstadt aus. Erst 1868, nachdem das Familienunternehmen zerbrach, kehrte er für ein Jahr dorthin zurück, bevor er wiederum für eine kurze Zeit in Berlin wohnte. Hier gründete er 1869, zusammen mit seinem Sohn, ein neues Bankhaus. Nach zwei Jahren, zwischenzeitlich an Krebs erkrankt, entschied er sich, in seine Heimat zurückzukehren, wo er schließlich verstarb.

Benoit Oppenheim, der die Geschäfte seines Vaters aufnahm und ausbaute, wurde mit seinem Bankhaus Mitgründer des Berliner Bankvereins, der letztendlich 1876 von der Deutschen Bank übernommen wurde. Doch bereits vorher zählte Oppenheim zu den vermögendsten Einwohnern Berlins, so ließ er sich 1872 eine Villa im Berliner Tiergarten erbauen, in dem damaligen Bezirk der Prominenz und Aristokratie.

1883 folgte die Sommerresidenz in Heringsdorf, die Villa Oppenheim, in der er sich mit anderen Größen des deutschen Bankwesens wie Adelbert Delbrück regelmäßig zu geheimen Abkommen zusammensetzte. Der Bau der Villa Oppenheim ist der Villa Rosa nachempfunden: So wie sein Großvater einst auf die Flusslandschaft der Elbe schaute und Spaziergänger das Gebäude bewunderten, so blickte der Hausherr in Heringsdorf auf die Weiten des Meeres und überthronte das auf der Promenade flanierende Publikum. Auch der Künstler Lyonel Feininger war von der neoklassizistischen Villa mit ihren korinthischen Säulen angetan – er wählte sie zum wiederkehrenden Motiv für seine Aquarelle und Holzschnitte. Doch mit der Enteignung im Dritten Reich änderte sich ihr Verwendungszweck rasch: Erst Ortszentrale der NSDAP, vorübergehend Verwaltungsbüro des BDM, dann Kuranlage für die Offiziere der Roten Armee, schlussendlich Erholungsheim in der DDR. Nach der Wende wurde die Villa an die mittlerweile in Kanada lebenden Erben zurückgegeben, die sie 1994 verkauften. Heute beherbergt die historische Villa Ferienwohnungen.

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